Des Mädchens Klage um den toten Freund (B216)

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Des Mädchens Klage um den toten Freund (B216)

AutorIn Anon.
Entstehungszeit Überlieferung um 1464
Entstehungsort
AuftraggeberIn
Überlieferung München, Bayerische Staatsbibliothek: Cgm 270, 167v-172r
Ausgaben
Übersetzungen
Forschung Klingner, Jacob: Des Mädchens Klage um den toten Freund; Klingner, Jacob/Lieb, Ludger: Handbuch Minnereden, S. 289f.

Inhalt

A Einleitung (1–52)

Auf einem Spazierritt im Mai entdeckt der Sprecher in einem schönen Haus zwei trauernde Frauen. Er bietet Trost an und fragt nach ihrem Leid. Eine der Damen erklärt zunächst, nur der Tod könne sie noch trösten, schildert auf erneutes Nachfragen jedoch ihre Geschichte.

B Gespräch mit der ersten Dame (53–194)

Sie berichtet, sie habe einen jungen, edlen und tugendhaften Knaben ausgewählt und nach ihren Vorstellungen erzogen; er habe ihr vollkommenen Minnedienst geleistet. Weil sie diesen Dienst nicht belohnt habe, sei sie nun von Gott bestraft worden. Viele Frauen hätten sie um ihn beneidet, doch sie habe seiner Treue vertraut. Jetzt wolle sie für immer Schwarz tragen und sich vor den Leuten fröhlich stellen. Der Sprecher mahnt, nicht gegen Gottes Fügung zu hadern; vielleicht hätte sie sonst selbst Anstoß erregt. Die Frau klagt weiter: Ihr Seelenheil sei verloren, sie müsse ihre Trauer verbergen, und ihr Geliebter sei durch Tugend ausgezeichnet gewesen. Mit ihm sei ihre Freude begraben, und sie sehne den Jüngsten Tag herbei, um wieder mit ihm vereint zu sein. Der Sprecher tadelt ihre Haltung, da sie dem Geliebten im Jenseits schade, und fordert sie zum Gebet auf. Sie entgegnet, Gott habe ihm wegen seines frühen Todes vergeben und werde auch ihr helfen, ihm zu folgen.

C Gespräch mit der zweiten Frau (206–264)

Die zweite Frau erklärt, sie liebe die erste über alles und teile daher deren Leid und das des toten Geliebten. Sie wäre bereit, ihr Leben für ihn zu geben, um die Freundin zu entlasten. Der Sprecher bestärkt sie in ihrem Beistand und kündigt an, Gott um Freude für beide zu bitten. Die Frau rät davon ab, da irdische Freude vergänglich sei und Gott nicht wolle, dass sie glücklich lebe; sie wolle ihr Schicksal tragen, bis sie sterbe. Der Sprecher wiederholt dennoch mehrfach seine Absicht zu beten. Abschließend verabschieden sie sich mit Segenswünschen; der Rahmen der Erzählung bleibt offen.

(Ausführliche Inhaltszusammenfassung bei Klingner, Jacob/Lieb, Ludger: Handbuch Minnereden, S. 289f.)