Ein historia vom gluenden eisen tragen (Enoch Widman)
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Ein historia vom gluenden eisen tragen | |
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| AutorIn | Enoch Widman |
| Entstehungszeit | 1596 |
| Entstehungsort | Hof |
| AuftraggeberIn | |
| Überlieferung | Vgl. Chronik der Stadt Hof (Enoch Widman) |
| Ausgaben | Vgl. Chronik der Stadt Hof (Enoch Widman) |
| Übersetzungen | |
| Forschung | |
Direkt danach schließt sich die Memorabile Caroli Magni klug und verstendig urtheil (Enoch Widman) an.
Text
[1] Anno 984 ist Otto III. zum keiser erwehlet worden. Dieser hette ein unkeusch weib, welche einen grafen am hof unehr anmutete. Der graf, so seines herren des keisers auch seiner eignen ehr und guten gewissem schonete, schlug der bestien unzimlich begeren ab. Sie aber also verachtet, ward sehr zornig uff den grafen, verklagt denselben beim keiser, alß stunde und trachtet er nach ihren weiblichen ehren. Darauff der keiser, so seinem gemahl glauben gab, den unschuldigen grafen ohne all vorgehende erkundigung und urtheil tödten lies. Deß grafen hinterlassener [S. 31] witibe aber, alß sie nechst Gott ihren höchsten schätz verlohren und ihres gemahls ehrlich und redlich gemut wol wüste, bewehrete sein Unschuld mit einem gluenden eisen, welches sie nach seinem tod für dem keiser unverletzet trüge. Dadurch der keiser bewogen den unschuldigen grafen zu bussen die unkeusche keiserin lebendig ins feur werffen und verbrennen lies. Und dieses ist fast die erste historia vom gluenden eisen, so man von den deudschen geschrieben lieset. Dann vor alters war der brauch, wann jemand ettwas ohne zeugen probirn und sein Unschuld an den tag geben wolte, erbot er sich ein gluend eisen aus einem dazu gemachten kreis ettlich schuch weit vor meniglich zu tragen mit blosen henden. Ja es trug oftmalß ein mensch das gluend eisen für das ander (wie diese grafin für ihren herren). Und wann also einer vom eisen unversehrt blieb, war es ein Zeichen, daß er selbsten oder ein anderer, für den ers getragen hatte, unschuldig were. Daher man noch im Sprichwort sagt, wenn man einen für unschuldig und rein heltet, man woll das heise eisen für ihn tragen, welches gleichwol in langer zeit nicht ins werck gerichtet worden, ursach, es getrauet ihms keiner mehr nachzuthun, weil er entweder an sich selbsten oder einem andern zweifeln mus. Ebenermassen hat man vor alters uff gluenden pflugscharen mit blosen fussen gewandelt, wie dann deß keisers Heinrich des andern (den man Sanctum nennet) gemahl Kunigund 15 schrit barfus uff gluenden pflugscharen unverletzt gangen ist und damit ihre Unschuld, alß sie der keiser mit einem ritter in verdacht hilt, augenscheinlich probirt hat. Bede historien haben sich wenig jhar nacheinander zugetragen.
Es ist auch hie zu merken, daß gleich wie keiser Otto sein unstetes weib, welchs sonst mit vielen die ehe gebrochen, der streng nach justificieren und mit feuer verbrennen lassen, sich auch noch ferner mit vier übergebenen schlossern oder festungen von der gräfin, deren mann er aus unbedacht umbzubringen bevollen, abgelöset, seine gerechtigkeit und mißfall ob ehebruch und hurerei damit anzuzeigen.
Anmerkungen
- ↑ Zitiert nach Rösler, Maria (Hg.): Enoch Widman, S. 30f. Marginalie: "Heinricus Sanctus, der nechste keiser nach Ottone III. wird durch seines vorfahrers unkeusch weib in einen argwöhn gegen sein gemahl Kunigundt gebracht".