Minnewerbung (B241)
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Minnewerbung (B241) | |
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| AutorIn | Anon. |
| Entstehungszeit | Überlieferung ab 1530 |
| Entstehungsort | |
| AuftraggeberIn | |
| Überlieferung | Berlin, Staatsbibliothek: Mgf 488, 345r-364r Dessau, Anhaltische Landesbücherei, Wissenschaftliche Bibliothek und Sondersammlungen: Georg 150 8°, 107r-133v Stuttgart, Landesbibliothek: Cod. Donaueschingen 580b, S. 1136-1145 |
| Ausgaben | |
| Übersetzungen | |
| Forschung | Klingner, Jacob: Minnewerbung; Klingner, Jacob/Lieb, Ludger: Handbuch Minnereden, S. 354-358 |
Inhalt
A Ausgangssituation
Der Sprecher beginnt mit einer märchenhaften Formel und schildert, wie er an einem Sommermorgen allein in seiner Kammer stundenlang sein vergebliches Werben beklagt. Plötzlich hört er Geräusche, die Tür öffnet sich, und die Geliebte tritt ein. Nach dem Gruß entwickelt sich ein dialogischer Austausch voller sprichwörtlicher Wendungen.
B Dialog
Auf die Frage nach ihrem Erscheinen gesteht die Dame, seine Klage unerlaubt belauscht zu haben. Er bekräftigt sein Leid; sie erkennt, dass sie selbst die Genannte ist, und er bekennt offen seinen Dienst. Sie weist ihn jedoch spöttisch zurück. Er klagt über Lebensmüdigkeit, sie kontert mit Hohn. Seine Dienstbereitschaft lehnt sie ab, da sie „schon einen Narren“ habe. Er bittet um jede Form des Dienstes, da sie ihn mit dem Pfeil der Venus getroffen habe; sie hält dies für Gerede und rät zu standesgemäßer Minne. Er versichert, selbst unter Mühen seine Liebe beweisen zu wollen, doch sie zweifelt an seiner Kunst und seinem Wert. Nach einem kurzen Selbstzuspruch nimmt er die Werbung wieder auf, beklagt die Härte ihres Dienstes und wird erneut verspottet. Ein weiterer Einschub zeigt seine Niedergeschlagenheit und sein Gebet um Erhörung. Ihre scharfe Zurückweisung wegen seiner Hässlichkeit bringt ihn zum Weinen; er bietet sich als Narr an. Sie lächelt kurz, weist ihn aber erneut ab. Sein Wunsch nach körperlicher Nähe wird als aussichtslos erklärt. Er fühlt sich unschuldig zurückgesetzt, sie bevorzugt weiterhin Bauern und Schweine. Ein weiterer Einschub zeigt seine Selbsterkenntnis und Torheit. Er bekräftigt seine Liebe mit Vergleichen aus Natur, Alltag und Literatur. Plötzlich lenkt die Dame ein, deutet Zuneigung an, schilt jedoch zugleich männliche Untreue und mahnt ihn zu Treue und Aufrichtigkeit. Sie verspricht Lohn, da sie Tugend höher schätzt als Schönheit, und erklärt ihre frühere Härte zur notwendigen Tugendprobe. Er versichert die Wahrhaftigkeit seiner Worte und beklagt auch weibliche Untreue. Sie verabschiedet sich wegen drohender Klatschsucht und geht nach gegenseitiger Liebesversicherung.
C Minneklage
Der Sprecher schildert sein Hochgefühl, das jedoch rasch verfliegt, als er erkennt, dass ein Nebenbuhler existiert. Die Zärtlichkeit der Dame erscheint ihm nun als Verrat. Er ordnet seine Täuschung in die Tradition literarischer „Weiberlisten“ ein, erkennt aber zugleich die Sinnlosigkeit der Klage. Seine folgende Beschwerde mischt Selbstverspottung, Frauenschelte und Verfluchung der untreuen Geliebten, reich an Sprichwörtern und Metaphern. Er sieht ein, dass weitere Bemühungen nutzlos sind, und tröstet sich damit, nicht der erste Betrogene zu sein. Er warnt den „Nachfolger“, missgönnt ihm aber zugleich den Erfolg. Er sieht sich als Narr, den die Dame wie einen alten Esel behandelt, verflucht den Rivalen und fordert die Zuhörer ironisch auf, ihm im folgenlosen Dienst nachzueifern.
(Ausführliche Inhaltszusammenfassung bei Klingner, Jacob/Lieb, Ludger: Handbuch Minnereden, S. 355-358)