Klage eines Liebenden (B35): Unterschied zwischen den Versionen

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==Inhalt==
==Inhalt==
===A Sehnsucht und Klage am Morgen (1–43):===
===A Sehnsucht und Klage am Morgen (1–43):===
Der Sprecher liegt allein im Morgengrauen vor Kummer wach. Sein Herz schlägt so heftig, dass er sein Ende befürchtet.  
Der Sprecher liegt im Morgengrauen wach und fürchtet vor Herzklopfen fast sein Ende. Die Zeit steht still, und kein Gedanke kann ihn trösten, solange er von der Geliebten getrennt ist. Er fühlt sich für immer im Leid gefangen, klagt sein überwältigendes Verlangen an und sieht sich vom Glück verlassen – erfüllt von trostlosem Selbstmitleid.
Die Zeit scheint ihm stehen geblieben (eine Stunde wirkt wie ein Jahr). Um dem Tod
 
aus Liebesleid zu entgehen, versucht er, an etwas Aufheiterndes zu denken, kommt
aber zu dem Ergebnis, dass er durch nichts getröstet werden könne, bis er das zurück
gewonnen habe, von dem er getrennt sei. In Leid und Trostlosigkeit sieht sich der
Sprecher bis an sein Lebensende gefangen. Apostrophe an ''herczlichs belanngen'' (34:
›sehnendes Verlangen‹), das ihn überwunden habe. Er sei vom Glück verlassen. Das
eigene Leid erfülle ihn mit Selbstmitleid.
===B Anklage des Scheidens (44–85):===
===B Anklage des Scheidens (44–85):===
Er verflucht (44: ''du sist geschendt'') das ›Scheiden‹  
Er verflucht (44: ''du sist geschendt'') das ›Scheiden‹  

Version vom 30. Dezember 2025, 23:39 Uhr

Klage eines Liebenden (B35); Klage eines Liebenden II

AutorIn Anon.
Entstehungszeit Überlieferung um 1470-1490
Entstehungsort
AuftraggeberIn
Überlieferung Heidelberg, Universitätsbibliothek: Cpg 313, 362v-364r
Ausgaben
Übersetzungen
Forschung Klinger, Jacob: Klage eines Liebenden II; Klingner, Jacob/Lieb, Ludger: Handbuch Minnereden, S. 61

Inhalt

A Sehnsucht und Klage am Morgen (1–43):

Der Sprecher liegt im Morgengrauen wach und fürchtet vor Herzklopfen fast sein Ende. Die Zeit steht still, und kein Gedanke kann ihn trösten, solange er von der Geliebten getrennt ist. Er fühlt sich für immer im Leid gefangen, klagt sein überwältigendes Verlangen an und sieht sich vom Glück verlassen – erfüllt von trostlosem Selbstmitleid.

B Anklage des Scheidens (44–85):

Er verflucht (44: du sist geschendt) das ›Scheiden‹  (Apostrophen in 44, 53, 77) als Urheber seines Schmerzes (50–52: direkte Anrede des eigenen Herzens mit der Versicherung, dass es schuldlos leide). Dem permanenten Zustand der Sehnsucht ziehe er den Tod vor. Einer Anrufung Gottes um Erlösung von seinem Schicksal folgt eine resignative Fügung in sein Schicksal und eine erneute Klage über die Trennung von der Geliebten.

C Schluss (86–102):

Der Sprecher betont, dass seine Geliebte trotz der räumlichen Trennung in seinen Gedanken bei ihm sei. Er wolle immer ihr treuer Knecht bleiben und will sich an die Hoffnung halten, die ihm Trost sein solle. Von Gott erbittet er nichts als den Segen für die Geliebte. Schlussformel: es ist gnug, ich far dar vonn (102). Die Rede endet mit Amen.

(Klingner, Jacob/Lieb, Ludger: Handbuch Minnereden, S. 61)