Sehnsuchtsklage einer Frau (B45): Unterschied zwischen den Versionen

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| überlieferung      = Berlin, Staatsbibliothek: Mgf 488, 165r-167v<br />Leipzig, Universitätsbibliothek: Ms. Apel 8, 294r-296v<br />Prag, Knihovna Národniho muzea: Cod. X. A 12, 134v-136r
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==Inhalt==
==Inhalt==
Das weibliche Sprecher-Ich beklagt in einer Fülle von topischen Bildern und Wendungen die Abwesenheit ihres Geliebten: Würde man durch Trauer reich werden, so
Die Sprecherin beklagt in zahlreichen Liebestopoi die Abwesenheit ihres Geliebten. Ihre Trauer mache sie alt, ihr Herz sei von Schmerz umschlungen, und selbst ihr Lachen sei nur Fassade. Nichts ziehe sie so stark an wie er, doch seine Jugend lasse ihn vielen Frauen gefallen. Die Liebe brenne in ihr wie glühendes Eisen; Müdigkeit, Pfeilschmerz und ständige Sehnsucht quälen sie bis in den Schlaf, wo sie von ihm träumt und beim Erwachen erneut in Trauer fällt. Weder Musik noch Gesellschaft können sie trösten. Ihr personifiziertes Sehnen begleitet sie wie ein ständiger Gast und nährt sie nur mit Verlangen. Am liebsten würde sie ihr Herz zu ihm senden.
wäre sie es; würde heimliches Leid schmücken, so wäre sie die Hübscheste von allen.
Trotz allem hofft sie bis zum Ende auf sein Wohlergehen. In einer kurzen Szene rät ihr ein Knabe, nur die Begegnung mit dem Geliebten könne helfen. Sie aber hat ihn vergeblich gesucht und würde jeden Preis zahlen, wenn ein Schiffer ihn ihr zurückbrächte.
Ihr Herz sei umgeben von zwei Nattern. Auch wenn sie ab und zu lache, so weine ihr  
Herz doch beständig, weil es gerne hätte, was es nicht besitze. Gott würde sie glücklicher machen, als es je eine Frau seit Adams Zeiten gewesen sei, wenn sie nur ihren
Geliebten ansehen und er sie grüßen könnte, ''als er vil wol kan'' (27). Vor Kummer
müsse sie stattdessen ''greysen'' (31). Selbst der Magnet ziehe weder Stahl noch Eisen
so stark an sich, wie er ihr Herz. Er müsse wegen seiner Jugend allen Frauen gefallen.
Würde Liebeskummer alt machen, so wäre sie wie eine Siebzigjährige, ''vnd ist mein
leib | Doch nit vil vber zwaintzig Jar'' (46f.). Die Liebe brenne in ihr wie die Funken
an einem glühenden Eisen. Von ihrem Liebesverlangen sei sie so ermüdet, als wäre sie  
tausend Meilen gegangen. Sie leide, als ob ein Pfeil in ihr Herz geschossen worden
wäre. Das alles werde von anderen Leiden aber noch in den Schatten gestellt. Oft
fühle es sich an, als ob sie sterben müsste, aber Hoffnung und Zuversicht stünden ihr
in solchen Momenten bei. Sobald sie sich jedoch schlafen lege, plage sie erneut Liebesschmerz. Das personifizierte ›Sehnen‹ sei ihr beim Schlafengehen zu Diensten
(siehe auch V. 89). Sei sie schließlich eingeschlafen, träume sie von dem Geliebten (74:
''Als man die valcken tuot laichen''), um dann vor Freude wieder aufzuwachen, welche ich alsbald wieder in Trauer wandle, wenn sie merke, dass er doch nicht bei ihr sei.  
Auch Übersingen ''vnd quinttieren | Auch mit saittenspil hofieren'' (85f.) erfreuten sie  
nicht. Das personifizierte ›Sehnen‹ bitte sie oft zu Tisch und setze ihr dann statt
Wildbret und Fisch nur ›Verlangen‹ vor. Gerne würde sie ihr Herz zu ihm schicken
(97: ''Vsz dem leib müst es zu Im faren'') und es in sein Kleid einnähen, das er auf ihr Geheiß hin trage. Bis zu ihrem Ende wolle sie hoffen und darum bitten, dass es ihm gut
gehe (Segenswunsch). – Evtl. liegt nach V. 110 ein Bruch vor, denn es folgt nun die  
kurze Erzählung von einem Gespräch mit einem ''knaben'' (111). Auf ihre Frage, was
gegen die Sehnsucht helfe, antwortet dieser: Nichts wäre besser, als den Geliebten zu
treffen. Daraufhin klagt die Sprecherin: Frühmorgens und spätabends habe sie ihn  
(den Geliebten?) vergeblich gesucht (Anspielung auf Hohelied 3,1f.); dem Schiffer,
der ihn ihr zurückbringe, würde sie jeden Preis zahlen.


([[Klingner, Jacob/Lieb, Ludger: Handbuch Minnereden]], S. 76f.)
(Ausführliche Inhaltszusammenfassung bei [[Klingner, Jacob/Lieb, Ludger: Handbuch Minnereden]], S. 76f.)


[[Kategorie:Quelle Minnerede]]
[[Kategorie:Quelle Minnerede]]
[[Kategorie:Quelle Klagerede]]
[[Kategorie:Quelle Klagerede]]

Aktuelle Version vom 31. Dezember 2025, 00:23 Uhr

Sehnsuchtsklage einer Frau (B45)

AutorIn Anon.
Entstehungszeit Überlieferung ab 1470/1471
Entstehungsort
AuftraggeberIn
Überlieferung Berlin, Staatsbibliothek: Mgf 488, 165r-167v
Leipzig, Universitätsbibliothek: Ms. Apel 8, 294r-296v
Prag, Knihovna Národniho muzea: Cod. X. A 12, 134v-136r
Ausgaben
Übersetzungen
Forschung Klingner, Jacob: Sehnsuchtsklage einer Frau; Klingner, Jacob/Lieb, Ludger: Handbuch Minnereden, S. 76f.

Inhalt

Die Sprecherin beklagt in zahlreichen Liebestopoi die Abwesenheit ihres Geliebten. Ihre Trauer mache sie alt, ihr Herz sei von Schmerz umschlungen, und selbst ihr Lachen sei nur Fassade. Nichts ziehe sie so stark an wie er, doch seine Jugend lasse ihn vielen Frauen gefallen. Die Liebe brenne in ihr wie glühendes Eisen; Müdigkeit, Pfeilschmerz und ständige Sehnsucht quälen sie bis in den Schlaf, wo sie von ihm träumt und beim Erwachen erneut in Trauer fällt. Weder Musik noch Gesellschaft können sie trösten. Ihr personifiziertes Sehnen begleitet sie wie ein ständiger Gast und nährt sie nur mit Verlangen. Am liebsten würde sie ihr Herz zu ihm senden. Trotz allem hofft sie bis zum Ende auf sein Wohlergehen. In einer kurzen Szene rät ihr ein Knabe, nur die Begegnung mit dem Geliebten könne helfen. Sie aber hat ihn vergeblich gesucht und würde jeden Preis zahlen, wenn ein Schiffer ihn ihr zurückbrächte.

(Ausführliche Inhaltszusammenfassung bei Klingner, Jacob/Lieb, Ludger: Handbuch Minnereden, S. 76f.)