Liebesklage eines Mannes (B57): Unterschied zwischen den Versionen

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==Inhalt==
==Inhalt==
===A Dialog mit Zunge und Herz (1–31):===
===A Dialog mit Zunge und Herz (1–31):===
Der Sprecher klagt dem Herzen seinen Kummer. Eine helle Rose habe ihm geleuchtet, nun strahle sie anderswo, was ihm die
Der Sprecher klagt seinem Herzen: Die Rose, die ihm einst leuchtete, strahle nun anderswo und treibe ihm Tränen in die Augen. Die Zunge tadelt ihn, er hätte keine so hohe, unerreichbare Frau wählen sollen. Das Herz gesteht, es habe ihn zum Frauendienst angestachelt, doch die Dame habe ihn nur verspottet und ohne Lohn zurückgelassen. Ihre Treulosigkeit schade letztlich mehr ihrer Ehre als seinem Leib.
Tränen in die Augen treibe (Augen und Nase werden feucht). Auf seine Frage ''Ach hertz waorumb tuost du das?'' (14) antwortet die Zunge, es hätte besser eine nicht so  
 
hochstehende, nicht so unerreichbare Frau begehrt (16f.: ''Das du nit gerst so nider, | Das du geweret wurdst ain tail''). Die Gedanken des Herzens werden in Ich-Rede zitiert (18–25): Der Frauendienst, zu dem es ''die mein person'' (21) angestachelt habe, sei
nur zum Spott angenommen worden und schmerzhafterweise ohne Lohn geblieben.  
Die Treulosigkeit der Dame sei für ihre Ehre aber schädlicher als für seinen Körper.
===B Treueklage (32–64):===
===B Treueklage (32–64):===
In drei anaphorischen Verspaaren (32/34/36: ''Obe…'') beklagt
Er klagt in anaphorischen Rufen über ihre Unbeständigkeit, Ehrlosigkeit und Selbsterniedrigung. Ohne sie sei ihm Licht und Sonne entzogen; sein Herz sinke wie Blei, weil sie ihr Treueversprechen gebrochen habe. Sie beherrsche ihn, könne sich aber selbst nicht zügeln. Hätte er ihren Mund – den Ort des Versprechens – gewonnen, wäre er bis zum Tod geborgen gewesen. Die Klage endet in Resignation und Rachegedanken. Schließlich benennt er offen den Kern seines Leids: Den Lohn seines langen Dienstes erhält nun ein anderer.
er ihre Unbeständigkeit, ihre Ehrvergessenheit und ihre Selbsterniedrigung. Es folgen weitere Klagen und Reflexionen: Er fühle sich, als seien ihm Sonne und Tageslicht genommen; sein Herz senke sich schwerer als Blei in seinen Körper, da es immerzu an ihre einstige Treueversicherung denken müsse, die sie nun gebrochen habe;
sie beherrsche ihn, könne sich aber anscheinend nicht beherrschen; seinen Dienst
habe er hoch eingeschätzt; hätte er erfolgreich ihren Mund erobert, der das Treueversprechen gegeben habe, so wäre er bis zum Tod sorgenfrei gewesen. Diese Klagen
münden in Resignation (60: ''Nun muosz mein leib verderben'') und in Rachegedanken  
(61f.: ''Vnd sol ir sel leiden pein | Der schad ist ir der spot mein''). Der Sprecher schließt
mit der offenen Benennung des der Klage zu Grunde liegenden Faktums: Der Lohn,
für den er lange gearbeitet habe, komme nun einem anderen Mann zu.


([[Klingner, Jacob/Lieb, Ludger: Handbuch Minnereden]], S. 104f.)
(Ausführliche Inhaltsbeschreibung bei [[Klingner, Jacob/Lieb, Ludger: Handbuch Minnereden]], S. 104f.)


[[Kategorie:Quelle Minnerede]]
[[Kategorie:Quelle Minnerede]]
[[Kategorie:Quelle Klagerede]]
[[Kategorie:Quelle Klagerede]]

Aktuelle Version vom 3. Januar 2026, 20:30 Uhr

Liebesklage eines Mannes (B57)

AutorIn Anon.
Entstehungszeit Überlieferung ab 1470/71
Entstehungsort
AuftraggeberIn
Überlieferung Berlin, Staatsbibliothek: Mgf 488, 164r-165r
Leipzig, Universitätsbibliothek: Ms. Apel 8, 293r-294r
Prag, Knihovna Nárondního muzea: Cod. X A 12, 133v-134r
Ausgaben
Übersetzungen
Forschung Klingner, Jacob: Liebesklage eines Mannes; Klingner, Jacob/Lieb, Ludger: Handbuch Minnereden, S. 104f.

Inhalt

A Dialog mit Zunge und Herz (1–31):

Der Sprecher klagt seinem Herzen: Die Rose, die ihm einst leuchtete, strahle nun anderswo und treibe ihm Tränen in die Augen. Die Zunge tadelt ihn, er hätte keine so hohe, unerreichbare Frau wählen sollen. Das Herz gesteht, es habe ihn zum Frauendienst angestachelt, doch die Dame habe ihn nur verspottet und ohne Lohn zurückgelassen. Ihre Treulosigkeit schade letztlich mehr ihrer Ehre als seinem Leib.

B Treueklage (32–64):

Er klagt in anaphorischen Rufen über ihre Unbeständigkeit, Ehrlosigkeit und Selbsterniedrigung. Ohne sie sei ihm Licht und Sonne entzogen; sein Herz sinke wie Blei, weil sie ihr Treueversprechen gebrochen habe. Sie beherrsche ihn, könne sich aber selbst nicht zügeln. Hätte er ihren Mund – den Ort des Versprechens – gewonnen, wäre er bis zum Tod geborgen gewesen. Die Klage endet in Resignation und Rachegedanken. Schließlich benennt er offen den Kern seines Leids: Den Lohn seines langen Dienstes erhält nun ein anderer.

(Ausführliche Inhaltsbeschreibung bei Klingner, Jacob/Lieb, Ludger: Handbuch Minnereden, S. 104f.)