Sehnsucht nach dem Geliebten (B46): Unterschied zwischen den Versionen

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===C Sehnen (61–74): ===
===C Sehnen (61–74): ===
Angesichts des unabänderlichen ›Meidens‹ bleibt der Sprecherin nur die Sehnsucht, deren Wirkung sie hyperbolisch beschreibt (mit wiederum
Die Sprecherin bleibt im erzwungenen Meiden allein mit ihrer Sehnsucht, die sie völlig beherrscht: Ob wach oder im Schlaf, bedrängt sie dieses Sehnen unablässig und macht sie krank.
achtmaliger Erwähnung des Verbs ''senen''): Das Sehnen habe sie ganz besessen; ob
 
sie schlafe, wache oder sonst etwas tue, das Sehnen bedränge sie; Sehnen mache sie  
krank usw.
===D Hoffen (75–94): ===
===D Hoffen (75–94): ===
Als Heilmittel gegen das Sehnen und Leiden führt die Sprecherin
Die Sprecherin nennt die Hoffnung als einziges Mittel gegen ihr Sehnen: Sie schenkt ihr einen kurzen, freudigen Schein, in dem sie sich an seiner Seite wähnt und seine Stimme hört.
ihre Hoffnung an (fünfmalige Erwähnung des Worts ''hoffnung''). Das Hoffen erzeuge
 
einen ''frölichen wan'' (82), eine Imagination, dass sie bei ihm wäre und seine Stimme  
hörte.
===E Segenswünsche (95–107): ===
===E Segenswünsche (95–107): ===
In teils anaphorischer Reihung (Got …  | Got … usw.)
Die Sprecherin bittet in mehrfacher Anrufung Gottes um inneren Halt, Glück, Gesundheit und Schutz für ihren Geliebten – vor allem vor Unheil und übler Nachrede.
wünscht die Sprecherin, dass Gott ihrem Geliebten die richtige innere Einstellung,
 
Glück, Gesundheit, Freude und Heil gebe, ihn vor allen bösen Dingen und vor den
Klaffern behüte.
===F Beständigkeit (108–126): ===
===F Beständigkeit (108–126): ===
Mit der (auch noch zu E gehörenden) Bitte, dass Gott
Mit der Bitte um göttliche Beständigkeit leitet die Sprecherin das letzte Thema ein: Beständigkeit erscheint als zentrale Tugend, die Freude schenkt, das Herz stärkt und jedem empfohlen wird – im eigenen Handeln wie in der Wahl der Partnerin. Wer mit beständigem Herzen begehrt, dem werde schließlich alles erfüllt.
ihm immer Beständigkeit gebe, wird das letzte Thema der Minnerede eingeführt (mit
elfmaliger Erwähnung des Wortes ''stetikeit''). Mit verallgemeinerndem und didaktischem Gestus wird Beständigkeit als große Tugend gepriesen: Wer sich ihrer in der
Jugend immer befleißige, dem widerfähre große Freude, sie gebe dem Herzen Kraft;
jeder solle beständig sein und darauf achten, dass ihm Beständigkeit widerfahre und
dass er eine beständige Frau bekomme. Denn was er mit einem beständigen Herzen  
begehre, müsse ihm dann alles gewährt werden (Dienst-Lohn-Mechanismus).


([[Klingner, Jacob/Lieb, Ludger: Handbuch Minnereden]], S. 78)
(Ausführliche Inhaltszusammenfassung bei [[Klingner, Jacob/Lieb, Ludger: Handbuch Minnereden]], S. 78)


[[Kategorie:Quelle Minnerede]]
[[Kategorie:Quelle Minnerede]]
[[Kategorie:Quelle Klagerede]]
[[Kategorie:Quelle Klagerede]]

Aktuelle Version vom 31. Dezember 2025, 08:43 Uhr

Sehnsucht nach dem Geliebten (B46)

AutorIn Anon.
Entstehungszeit Überlieferung nach 1473
Entstehungsort
AuftraggeberIn
Überlieferung München, Bayerische Staatsbibliothek: Cgm 439, 51v-54v
Ausgaben
Übersetzungen
Forschung Klingner, Jacob: Sehnsucht nach der Geliebten; Klingner, Jacob/Lieb, Ludger: Handbuch Minnereden, 77-79

Inhalt

A Liebesbekenntnis (1–42):

Die Sprecherin betont ihre absolute Treue und Hingabe, ihren Schmerz über die Trennung, die gegenseitige Liebe sowie die ehrenhafte Minneabsicht des Geliebten.

B Meiden (43–60):

Die Sprecherin erklärt, dass stete Nähe zum Geliebten unmöglich sei, und bricht daraufhin in eine Klage über das qualvolle Meiden aus: Meiden sei schlimmer als der Tod, ein bitteres Kraut, ja eine Krankheit, die sie verzweifeln lasse.

C Sehnen (61–74):

Die Sprecherin bleibt im erzwungenen Meiden allein mit ihrer Sehnsucht, die sie völlig beherrscht: Ob wach oder im Schlaf, bedrängt sie dieses Sehnen unablässig und macht sie krank.

D Hoffen (75–94):

Die Sprecherin nennt die Hoffnung als einziges Mittel gegen ihr Sehnen: Sie schenkt ihr einen kurzen, freudigen Schein, in dem sie sich an seiner Seite wähnt und seine Stimme hört.

E Segenswünsche (95–107):

Die Sprecherin bittet in mehrfacher Anrufung Gottes um inneren Halt, Glück, Gesundheit und Schutz für ihren Geliebten – vor allem vor Unheil und übler Nachrede.

F Beständigkeit (108–126):

Mit der Bitte um göttliche Beständigkeit leitet die Sprecherin das letzte Thema ein: Beständigkeit erscheint als zentrale Tugend, die Freude schenkt, das Herz stärkt und jedem empfohlen wird – im eigenen Handeln wie in der Wahl der Partnerin. Wer mit beständigem Herzen begehrt, dem werde schließlich alles erfüllt.

(Ausführliche Inhaltszusammenfassung bei Klingner, Jacob/Lieb, Ludger: Handbuch Minnereden, S. 78)