Liebesklage (B41): Unterschied zwischen den Versionen

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===C Liebesbekenntnis (135–209): ===
===C Liebesbekenntnis (135–209): ===
Im Folgenden reflektiert der Sprecher auf seine Liebe  
Der Sprecher hofft, die Geliebte möge seine ehrenvolle, unerschütterliche Liebe auch ohne Worte erkennen. Nichts auf der Welt könne ihn von ihr trennen; ihr Name stehe unauslöschlich in seinem Herzen, und er wolle sie lieben, selbst wenn sie ihn zurückweist. Könnte sie in sein Inneres blicken, würde sie seine Gesinnung trotz seines niedrigen Standes schätzen.
und mögliche Lösungsansätze der beschriebenen Probleme: Er wünscht, sie möge
Seine Liebesbindung beschreibt er mit mythologischen Bildern: Venus habe ihn gefesselt, Cupido seine Macht gezeigt. Redebegabte wie die Helden der Antike seien zu beneiden, während ihm selbst die Worte fehlten. Schließlich versichert er, dass sie an ihm die größte Treue fände, und preist ihre Vorzüge.
ihn ohne Worte verstehen und seine Liebe erkennen, die ehrenvoll (146f.: Er wolle
 
lieber außer Landes als sie in Schande zu bringen) und unerschütterlich sei: Er gäbe
sie nicht für ''Alles des frantzoßen golt | Vnd der von nediger'' (Venediger?) reich (152f.);
niemand könne sie trennen; er könne ihr nicht zürnen; ihr Name sei ewig in sein
Herz eingeschrieben; er wolle sie lieben, auch wenn sie ihn verschmähe. Könnte sie in  
sein Herz sehen, so würde sie ihn aufgrund seiner Gesinnung und trotz seines geringen Standes lieben. Seine Liebesverstrickung (182: ''der lieben angel'') beschreibt er unter Bezug auf antike Mythologie und Literatur: Frau Venus habe ihn gefesselt, Capia
(189, vermutl. für Cupido) seine Macht an ihm erwiesen. Selig sei der Redebegabte
zu preisen (wohl in den Namensformen verderbter Verweis auf Odysseus, Kalypso
und Kirke 199–201: ''Als allipso etwan wust | Zw dem hett Calyoso lust | Vnnd Ciro die gottin reich''), ihm dagegen fehle es an der Ausdrucksfähigkeit (205f.: ''Ich habs offt Im hertzenn wers In mundt | Villeicht hett ich vor Jammer gesundt''). Eine Versicherung,  
sie fände an ihm die größte Treue, mündet in einen Preis der Geliebten.
===D Preis nach dem Hohelied (210–269): ===
===D Preis nach dem Hohelied (210–269): ===
Der Preis der Geliebten besteht zum großen  
Der Preis der Geliebten besteht zum großen  

Version vom 31. Dezember 2025, 00:07 Uhr

Liebesklage (B41); Liebesklage II

AutorIn Anon.
Entstehungszeit Überlieferung um 1530
Entstehungsort
AuftraggeberIn
Überlieferung Berlin, Staatsbibliothek: Ms. germ. fol. 488, 372v-380v
Ausgaben
Übersetzungen
Forschung Klingner, Jacob: Liebesklage II; Klingner, Jacob/Lieb, Ludger: Handbuch Minnereden, S. 69-71

Inhalt

A Winterklage (1–32):

Der Sprecher nimmt Abschied vom Sommer und mit ihm von unbeschwerter Freude, die er in der heiteren Natur und im Einklang mit ihren Geschöpfen erlebt hat. Nun hat der Winter all diese Lust ins Gegenteil verkehrt.

B Klage über eigenes Unvermögen (33–134):

Der Sprecher leidet unter seiner Liebe, macht dafür aber nicht die Geliebte verantwortlich, sondern seine eigene Unfähigkeit, ihr zu gestehen, was er fühlt. Ihr Anblick raubt ihm Sprache und Fassung; angesprochen zu werden, trifft ihn wie ein Pfeil. Aus Angst, ihr zu missfallen, schweigt er – obwohl er sonst vor keiner Prüfung zurückweicht. Getrennt von ihr ist er ruhelos, in ihrer Nähe schweißgebadet. Nur ihr Anstand bewahrt ihn vor Spott. Selbst harmlose Gespräche meidet er aus Furcht, sich zu verraten. Ihre besorgten Fragen kann er nicht beantworten, weil er sich ihr nicht ebenbürtig fühlt und fürchtet, sie könne sein Liebesbekenntnis verübeln.

C Liebesbekenntnis (135–209):

Der Sprecher hofft, die Geliebte möge seine ehrenvolle, unerschütterliche Liebe auch ohne Worte erkennen. Nichts auf der Welt könne ihn von ihr trennen; ihr Name stehe unauslöschlich in seinem Herzen, und er wolle sie lieben, selbst wenn sie ihn zurückweist. Könnte sie in sein Inneres blicken, würde sie seine Gesinnung trotz seines niedrigen Standes schätzen. Seine Liebesbindung beschreibt er mit mythologischen Bildern: Venus habe ihn gefesselt, Cupido seine Macht gezeigt. Redebegabte wie die Helden der Antike seien zu beneiden, während ihm selbst die Worte fehlten. Schließlich versichert er, dass sie an ihm die größte Treue fände, und preist ihre Vorzüge.

D Preis nach dem Hohelied (210–269):

Der Preis der Geliebten besteht zum großen Teil aus Paraphrasen des Hohelieds (mehrfache Quellenangabe: 222: Sie ist vonn der geschrieben stat; 240: Als salamon etwan sprach; vgl. auch 256). Identifizieren lassen sich verschiedene Apostrophen und Attribuierungen der Geliebten, die vor allem ihre körperliche Schönheit hervorheben (teilweise mehrfach, Cant 4,3; 1,2; 4,11; 1,3, 4,10;) und in ihrer Anordnung in Ansätzen der Systematik des konventionellen Schönheitslobs entsprechen (vgl. 257–263, wo Wangen, Hals und Gesicht unter Bezug auf Cant 3,11; 1,15; 4,1 bzw. 5,12 beschrieben werden).

E Bitte und Hoffnung (270–375):

In einer weiteren Apostrophe der Geliebten (270– 301) preist der Sprecher bildreich ihre Schönheit (kurze Schönheitsbeschreibung: Mund, Augen, Haar, Zähne, Hals, Wangen) und beklagt die Verwundung seines Herzens durch ihre Augen. Er nennt sie den Garten der Liebe und den Quell (284: brun) der Freigebigkeit (miltigkeit) und bittet – unter Verweis auf sein Brennen in der Liebe – um Kuss, Rede und Umarmung. Er sei seiner Liebeskrankheit ausgeliefert: So seien nicht nur seine Gedanken, sondern auch sein Herz nicht mehr bei ihm, und er fürchte, bei dieser Spaltung des Selbst zu sterben (312: Da ich ytza bin da bin ich nit; und 316: Das ich mich teyll bey gantzem leybe). Er bekräftigt die Entschlossenheit, sich ihr zu offenbaren, ahnt aber sein erneutes Verstummen und die daraus resultierende Ablehnung durch die Geliebte, denn: Frauen wollen unterhalten werden (334: wollenn habenn schimpff) und verabscheuen zu großen Ernst (337: Zw vil ernst misfelt denn weyben). Er wolle es dennoch wagen, vielleicht habe er ja Glück (Sprichwort 344: Man spricht die liebe ist beschertt [wird geschenkt]). Er imaginiert ein Streitgespräch (348–362), in dem er ihrer möglichen Ablehnung mit verschiedenen Argumenten (ihre Verweigerung bedeute den Verlust gesellschaftlicher Freude; seine Absichten seien ehrenvoll; sie solle es sich noch einmal überlegen) begegnen würde. Er schließt mit der erneuten Bekräftigung seiner Entschlossenheit und in der Hoffnung auf den Glück und Freude bringenden Frühling.

Klingner, Jacob/Lieb, Ludger: Handbuch Minnereden, S. 70f.