Liebesklage (B41): Unterschied zwischen den Versionen
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Version vom 31. Dezember 2025, 00:08 Uhr
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Liebesklage (B41); Liebesklage II | |
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| AutorIn | Anon. |
| Entstehungszeit | Überlieferung um 1530 |
| Entstehungsort | |
| AuftraggeberIn | |
| Überlieferung | Berlin, Staatsbibliothek: Ms. germ. fol. 488, 372v-380v |
| Ausgaben | |
| Übersetzungen | |
| Forschung | Klingner, Jacob: Liebesklage II; Klingner, Jacob/Lieb, Ludger: Handbuch Minnereden, S. 69-71 |
Inhalt
A Winterklage (1–32):
Der Sprecher nimmt Abschied vom Sommer und mit ihm von unbeschwerter Freude, die er in der heiteren Natur und im Einklang mit ihren Geschöpfen erlebt hat. Nun hat der Winter all diese Lust ins Gegenteil verkehrt.
B Klage über eigenes Unvermögen (33–134):
Der Sprecher leidet unter seiner Liebe, macht dafür aber nicht die Geliebte verantwortlich, sondern seine eigene Unfähigkeit, ihr zu gestehen, was er fühlt. Ihr Anblick raubt ihm Sprache und Fassung; angesprochen zu werden, trifft ihn wie ein Pfeil. Aus Angst, ihr zu missfallen, schweigt er – obwohl er sonst vor keiner Prüfung zurückweicht. Getrennt von ihr ist er ruhelos, in ihrer Nähe schweißgebadet. Nur ihr Anstand bewahrt ihn vor Spott. Selbst harmlose Gespräche meidet er aus Furcht, sich zu verraten. Ihre besorgten Fragen kann er nicht beantworten, weil er sich ihr nicht ebenbürtig fühlt und fürchtet, sie könne sein Liebesbekenntnis verübeln.
C Liebesbekenntnis (135–209):
Der Sprecher hofft, die Geliebte möge seine ehrenvolle, unerschütterliche Liebe auch ohne Worte erkennen. Nichts auf der Welt könne ihn von ihr trennen; ihr Name stehe unauslöschlich in seinem Herzen, und er wolle sie lieben, selbst wenn sie ihn zurückweist. Könnte sie in sein Inneres blicken, würde sie seine Gesinnung trotz seines niedrigen Standes schätzen. Seine Liebesbindung beschreibt er mit mythologischen Bildern: Venus habe ihn gefesselt, Cupido seine Macht gezeigt. Redebegabte wie die Helden der Antike seien zu beneiden, während ihm selbst die Worte fehlten. Schließlich versichert er, dass sie an ihm die größte Treue fände, und preist ihre Vorzüge.
D Preis nach dem Hohelied (210–269):
Der Sprecher preist die Geliebte vor allem mit Paraphrasen aus dem Hohelied. In zahlreichen Anrufungen hebt er ihre körperliche Schönheit hervor und folgt dabei – von Wangen über Hals bis zum Gesicht – der traditionellen Ordnung des Schönheitslobs.
E Bitte und Hoffnung (270–375):
In einer weiteren Apostrophe der Geliebten (270– 301) preist der Sprecher bildreich ihre Schönheit (kurze Schönheitsbeschreibung: Mund, Augen, Haar, Zähne, Hals, Wangen) und beklagt die Verwundung seines Herzens durch ihre Augen. Er nennt sie den Garten der Liebe und den Quell (284: brun) der Freigebigkeit (miltigkeit) und bittet – unter Verweis auf sein Brennen in der Liebe – um Kuss, Rede und Umarmung. Er sei seiner Liebeskrankheit ausgeliefert: So seien nicht nur seine Gedanken, sondern auch sein Herz nicht mehr bei ihm, und er fürchte, bei dieser Spaltung des Selbst zu sterben (312: Da ich ytza bin da bin ich nit; und 316: Das ich mich teyll bey gantzem leybe). Er bekräftigt die Entschlossenheit, sich ihr zu offenbaren, ahnt aber sein erneutes Verstummen und die daraus resultierende Ablehnung durch die Geliebte, denn: Frauen wollen unterhalten werden (334: wollenn habenn schimpff) und verabscheuen zu großen Ernst (337: Zw vil ernst misfelt denn weyben). Er wolle es dennoch wagen, vielleicht habe er ja Glück (Sprichwort 344: Man spricht die liebe ist beschertt [wird geschenkt]). Er imaginiert ein Streitgespräch (348–362), in dem er ihrer möglichen Ablehnung mit verschiedenen Argumenten (ihre Verweigerung bedeute den Verlust gesellschaftlicher Freude; seine Absichten seien ehrenvoll; sie solle es sich noch einmal überlegen) begegnen würde. Er schließt mit der erneuten Bekräftigung seiner Entschlossenheit und in der Hoffnung auf den Glück und Freude bringenden Frühling.