Das Herz (Egen von Bamberg) (B49)
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Das Herz (B49) | |
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| AutorIn | Egen von Bamberg |
| Entstehungszeit | 1320-1340 |
| Entstehungsort | |
| AuftraggeberIn | |
| Überlieferung | München, Bayerische Staatsbibliothek: Cgm 714, 167r-170r |
| Ausgaben | Dorobantu, Julia/Klingner, Jacob/Lieb, Ludger (Hg.): Minnereden, S. 253-258 |
| Übersetzungen | |
| Forschung | Dahm-Kruse, Margit/Felber, Timo: Lektüreangebote in der mittelalterlichen Manuskriptkultur; Klingner, Jacob: Egen von Bamberg; Klingner, Jacob/Lieb, Ludger: Handbuch Minnereden, S. 87f. |
Inhalt
Die Rede eröffnet mit dem Bild eines vom Liebesleid überhitzten Herzens, in dem der „Vogel des Leids“ ausgebrütet wird. Ursache des Schmerzes ist das Meiden der Geliebten. Ab Vers 10 spricht der Ich‑Erzähler sein Herz direkt an: Es zittere vor Qual, von Begierdefeuer durchlodert, die Brust des Sprechers sei davon erschüttert. Er bittet das Herz, seine Sehnsucht zu zügeln, und fragt, wie es zu einer so tiefen Wunde – wie bei Anfortas – gekommen sei. Das Herz antwortet mit einer Kampfallegorie: Eine heftige Tjost habe es getroffen, den „Rock der Freuden“ zerrissen und trotz des Schutzschilds der inneren Kräfte mit dem „vergifteten Eisen“ eines Blicks verwundet. Heilung könne nur die Dame bringen, sein „Saphirglanz“, mit tröstendem Theriak und Piment. Es folgen weitere Bilder des Liebesleids: Seine innere Landschaft sei verdorrt, ohne den Tau ihres Trostes müsse es sterben. Die Dame überrage alle Frauen; ihr Bild bringe seine Lust zum Sieden und schieße wie Donnerpfeile in sein Inneres. Das Herz sei völlig aus der Ordnung geraten – warm in Kälte, klug in Einfalt, reich in Armut –, weil ihr Bild tief hineingehämmert sei. Von der Fantasie gefesselt, könne es das geliebte Mündlein kaum noch wahrnehmen und schwebe zwischen Leben und Tod. Der Sprecher fragt schließlich, wer diese Frau sei, die solches Leid verursache. Das Herz antwortet aus Furcht vor Lauscher*innen nur andeutend: Sie sei die Krone aller Frauen, von Gott aus allen Tugenden geschaffen, mit einem Antlitz von rubinrotem und perlenweißem Glanz, dessen Züge Liebesleid wecken. Wenn sie ihm nicht helfe, sei es verloren. Der Sprecher schließt knapp, gefolgt von der Autorsignatur: „Die rede hat meister Egen gemaht.“
(Ausführliche Inhaltszusammenfassung bei Klingner, Jacob/Lieb, Ludger: Handbuch Minnereden, S. 87f.)