Gespräch zwischen Herz und Mund (B51)

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Gespräch zwischen Herz und Mund (B51); Krieg zwischen Herz und Mund

AutorIn Anon.
Entstehungszeit Überliefert um 1480
Entstehungsort
AuftraggeberIn
Überlieferung Gießen, Universitätsbibliothek: Hs. 1264, 8r-11v
Ausgaben
Übersetzungen
Forschung Klingner, Jacob: Gespräch zwischen Herz und Mund; Klingner, Jacob/Lieb, Ludger: Handbuch Minnereden, S. 91f.; Von Schüching, Heinz: Studien zu einer kritischen Ausgabe der Dichtungen von Heinz Rosenplüt, S. 515f.

Inhalt

A Fragmentarisch erhaltener Beginn (1–68):

Man kann aus den wenigen erhaltenen Anfangsworten auf eine kurze Einleitung schließen, in der ein Ich-Sprecher ein belauschtes Gespräch zwischen Mund und Herz ankündigt. Ab Vers 4 setzt der Streit ein. Die Sprecherformeln erlauben eine grobe Rekonstruktion: Das Herz wirft dem Mund Zaghaftigkeit in der Liebe zu einer Dame vor. Der Mund verweigert jede weitere Hilfe, erklärt sich für frei von Werbungspflichten und rät dem Herz zu einer standesgemäßeren Wahl. Das Herz beharrt dennoch auf seiner absoluten Liebe.

B Streitgespräch (69–255):

Die erhaltene Passage setzt mit einer Rede des Mundes ein: Das Herz solle seine unerfüllbaren Hoffnungen aufgeben. Das Herz widerspricht und beharrt auf seiner Werbung, selbst bis zum Tod. Der Mund tadelt seine Torheit; das Herz nennt ihn feige, weil er die Liebe nicht zu gestehen wagt. Es preist die Tugend der Dame, fühlt sich ihr jedoch unwürdig, will aber dennoch nicht ablassen. Der Mund sagt zu, sich nach ihrer Haltung zu erkundigen, und rät dem Herzen, weiter zu werben. Das Herz bekräftigt seine Treue und erklärt seine Wahl der Geliebten mit einem Frauenpreis: Ihre Tugend sei unvergleichlich. Sie besitze sein Herz für immer. Der Mund stimmt zu und verspricht, die Liebe zu offenbaren, mahnt aber zu entsprechendem Verhalten. Das Herz schwört erneute Beständigkeit. Abschließend bittet es den Mund um Beistand, da all sein Glück von der Gnade der Dame abhänge.

C Schluss (256–272):

Der Sprecher wundert sich, dass Herz und Mund nicht gemeinsam handeln. Er hält ihren Streit für harmlos, weiß aber nicht, ob der Mund die Bitte des Herzens später erfüllt hat. Zum Schluss wünscht er beiden – wie auch sich selbst – den Trost der Dame.

(Ausführliche Inhaltszusammenfassung bei Klingner, Jacob/Lieb, Ludger: Handbuch Minnereden, S. 91f.)