Ironischer Frauenpreis (B22): Unterschied zwischen den Versionen

Aus Brevitas Wiki
Zur Navigation springen Zur Suche springen
Keine Bearbeitungszusammenfassung
Zeile 144: Zeile 144:
Darumb ich in mir selbs wol gewd
Darumb ich in mir selbs wol gewd
Wolte got das ich ir wer so nochen
Wolte got das ich ir wer so nochen
Das ich sie mocht ins maul geflochen
Das ich sie mocht ins maul geslochen
Ich sing ich sag was ich begin
Ich sing ich sag was ich begin
So ist sie alltzeit yn meinem syn
So ist sie alltzeit yn meinem syn
Zeile 190: Zeile 190:
Leiden meyden scheiden thut mir we
Leiden meyden scheiden thut mir we
|style="vertical-align:top; white-space: pre;"|
|style="vertical-align:top; white-space: pre;"|
 
<nowiki>[6r]</nowiki> <span style="color:#FF0000">M</span>eins hertzen fraw vnd schönstes pildt
<span style="color:#FF0000">I</span>st gen mir aller tugent milt
<nowiki>[6v]</nowiki> <span style="color:#FF0000">I</span>r lieb hat mein hertz vmbgeben
<span style="color:#FF0000">A</span>ls junge hünr ain prüthennen
<nowiki>[7r]</nowiki> <span style="color:#FF0000">M</span>ich fräet kainerlay souil
<span style="color:#FF0000">A</span>ls meines hertzen liebste gespil
<nowiki>[7v]</nowiki> <span style="color:#FF0000">M</span>ein hertz das schreyt vnd tobt nach ir
<span style="color:#FF0000">A</span>ls ain kalb nach seiner müter
<nowiki>[8r]</nowiki> <span style="color:#FF0000">M</span>ich trost das sy mir gütes gan
<span style="color:#FF0000">K</span>ain schöner weib sach nye kain man
<nowiki>[8v]</nowiki> <span style="color:#FF0000">M</span>ich frät als wol ir lieplich grüß
<span style="color:#FF0000">A</span>ls in hunger ain pfann mit müß
|-
|-
|}
|}

Version vom 1. April 2026, 20:35 Uhr

Ironischer Frauenpreis (B22)

AutorIn Anon.
Entstehungszeit Überlieferung ab 1470/71
Entstehungsort
AuftraggeberIn
Überlieferung München, Bayerische Staatsbibliothek: Cgm 713, 48r-50r
Prag, Knihovna Nárondního muzea: Cod. X A 12, 6r-65r
Ausgaben
Übersetzungen
Forschung Klingner, Jacob: Ironischer Frauenpreis; Klingner, Jacob/Lieb, Ludger: Handbuch Minnereden, Band 1, S. 28-30

Der Text ist einmal fortlaufend überliefert (Cgm 713), einmal in losgelösten Verspaaren, die über 118 Seiten verteilt am unteren Seitenrand geschrieben sind (Cod. X A 12). Da die Verspaare Preisreden und Spottreden mischen, liegt zumindest bei der Realisation in Cod. X A 12 auch eine Epideiktische Redensammlung vor.

Inhalt

Die Abfolge aus affirmativen und derb‑ironischen Reimpaaren erzeugt eine dialogisch wirkende Form, ohne dass die Paare inhaltlich eng aufeinander bezogen wären. Inhaltlich kreisen sie durchweg um die Geliebte des Sprechers. In den ironischen Partien bilden sich zudem gelegentlich thematische Cluster, wenn mehrere Schmähungen hintereinander auftreten, jeweils durch „positive“ Reimpaare unterbrochen.

(Ausführliche Inhaltsbeschreibung bei Klingner, Jacob/Lieb, Ludger: Handbuch Minnereden, Band 1, S. 29)

Synopse der Überlieferung[1]

Cgm 713 Cod. X A 12
Zu preysen ein bulschafft





5



10



15



20



25



30



35



40



45



50



55



60



65



70



75



80



85



90



95



100



105



110



115



120



125



130



135



140



145



150



155



160



165



170



175



180



185



190



195



200



205



210



215



220



225



230



235



240



245



250



255



260



265



270



275



280



285



290



295



300



305



310



315

ICH weyß vnd bin des zweyfels on Das ich den aller trewesten pulen hon Die allerlibsten auf dieser erdt Die teuscht mich hewer als ein fert Ich habe frewd vil vnd lußt So sie mich sinnckt an ir prußt Die mir vor aller werlt liep ist Sie smeckt stetes nach kwe mißt Das myniglich vnd schon weip Kan meins hertzen leyt vertreyb Die ich hab im hertzen holt Die hat mer lewß dan sib silber od(er) golt Was ich in eren thar beger(e)n Das thut sie mich gewer(e)n Der ich ye was vnd noch wil sein Die ist girig als ein haber swein Ich bin zu eygen ir gegeben Vnd wil ir nym(m)er wider streben Die weyl ich gelt ym pewtel hab So pin ich ir ein lieber knab Mich erfrewd ich weyß wol was Vnd macht mir im hertzen baß [48v] Sie liebt sich mir zu aller stund Als bey dem tische ein hungeriger hunt Mein allerlibstes vnd höchster schatz Streicht sich zu mir als ein katz Die schön die lieb die myn(n)iglich Hat ein groß pubisch gesicht Meins hertzen frewd vnd schonstes pild Ist gein mir aller tugent milt Ir lieb hat mein hertz vmbgeben Als inige hüner ein brot kreben Mich erfrewd keynerleie souil Als meins hertzen liebste gespil Mein hertz das dobt vnd streitt nach ir Als ein kalp nach seiner muter schir Mich troszt das sie mir gutes gan Kein schons weip gefahe nye ein solche(n) man Mich erfrewet als sere ir libster grus Als wen mich hungert ein pfan(n) vol muß Sie hat das lobe ob allen weyben Wo man schimpff wil treiben Sie gibt mir frewd vnd hohen mut Als semel vnd milch den pawern thut [49r] Sie ist meines hertzen hochste frewd Darumb ich in mir selbs wol gewd Wolte got das ich ir wer so nochen Das ich sie mocht ins maul geslochen Ich sing ich sag was ich begin So ist sie alltzeit yn meinem syn Ich bedenck ir schon mit allem preyß Ich spring ich tantz oder ich scheyß Sie leszt mich meiner trew genyeßen Vnd thut mich liplich zu ir flieszen Ir brustlein ragen also sere Recht sam zwon plattern wassers lere Sie liebt mir fur alles gut In die hab ich kein frewd noch mut Meine(r) lieb zu flewszt der mu(n)dt preit Recht als ein kwe dreck auff der heyd Das tröstlich wort das ich ye hort Ist ia vnd hat mein leyt ermort Mein liep vnd ich sein uber ein Als zwen hunt ab einem pein[2] Den wunsch ob allen weyben Thu ich der liebsten zu beschreib(e)n [49v] Mein außerweltes libstes kint Ich wolt das du werst krümp vnd plint Mir libt ein mensch fur alle dise werlt Vnd hab des trewes wider gelt Der ich mein hertz ergeben hab Der pin ich ganntz schab ab Sie ist begabt mit eren vnd zucht Zcu der ich hab mein zuflucht Do ich sie am nechsten ansach Der ritt schut dich sie zu mir sprach So mich vmbfecht ir freuntlichkeit Als meiner muter pirn teick Ir myn(n)iglich(er) roter mundt Erfrewet mich eins jars wol tausent stund So die lieb nit anders kan So zcant sie mich gar liplich an Wan ich bedenck ir liplich trew So wirt mir frewd ym hertzen new Mich erfrewet ir mündlein rot Recht als ein scheißhauß in grosser not Mit yderman ist mir wol Doch frewet mich das mich pillich erfrew(e)n sol [50r] Ob ich ichts liebs han Welcher ritt geht dich an Ich weyß intzunt nit mere Leiden meyden scheiden thut mir we

[6r] Meins hertzen fraw vnd schönstes pildt Ist gen mir aller tugent milt [6v] Ir lieb hat mein hertz vmbgeben Als junge hünr ain prüthennen [7r] Mich fräet kainerlay souil Als meines hertzen liebste gespil [7v] Mein hertz das schreyt vnd tobt nach ir Als ain kalb nach seiner müter [8r] Mich trost das sy mir gütes gan Kain schöner weib sach nye kain man [8v] Mich frät als wol ir lieplich grüß Als in hunger ain pfann mit müß

  1. Abkürzungen werden in () aufgelöst; Nachträge werden gekennzeichnet (\von unten/, /von oben\, |von der Seite|); hochgestellte Vokale werden in den Fließtext übernommen; Vereinheitlichung unterschiedlicher s-Formen zu s, Beibehaltung von ß; grundsätzliche Kleinschreibung, Großschreibung nur bei Versmarkierung beibehalten (und ggf. vereinheitlicht); ggf. Einfügen von Zeilenumbrüchen bei Versgrenzen; ӱ → y; ë → e; ẅ → w; v̈ → v.
  2. Vgl. Jaghunt vnd ein schwein auch hasen.