Ironischer Frauenpreis (B22): Unterschied zwischen den Versionen
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Darumb ich in mir selbs wol gewd | Darumb ich in mir selbs wol gewd | ||
Wolte got das ich ir wer so nochen | Wolte got das ich ir wer so nochen | ||
Das ich sie mocht ins maul | Das ich sie mocht ins maul geslochen | ||
Ich sing ich sag was ich begin | Ich sing ich sag was ich begin | ||
So ist sie alltzeit yn meinem syn | So ist sie alltzeit yn meinem syn | ||
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Leiden meyden scheiden thut mir we | Leiden meyden scheiden thut mir we | ||
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<nowiki>[6r]</nowiki> <span style="color:#FF0000">M</span>eins hertzen fraw vnd schönstes pildt | |||
<span style="color:#FF0000">I</span>st gen mir aller tugent milt | |||
<nowiki>[6v]</nowiki> <span style="color:#FF0000">I</span>r lieb hat mein hertz vmbgeben | |||
<span style="color:#FF0000">A</span>ls junge hünr ain prüthennen | |||
<nowiki>[7r]</nowiki> <span style="color:#FF0000">M</span>ich fräet kainerlay souil | |||
<span style="color:#FF0000">A</span>ls meines hertzen liebste gespil | |||
<nowiki>[7v]</nowiki> <span style="color:#FF0000">M</span>ein hertz das schreyt vnd tobt nach ir | |||
<span style="color:#FF0000">A</span>ls ain kalb nach seiner müter | |||
<nowiki>[8r]</nowiki> <span style="color:#FF0000">M</span>ich trost das sy mir gütes gan | |||
<span style="color:#FF0000">K</span>ain schöner weib sach nye kain man | |||
<nowiki>[8v]</nowiki> <span style="color:#FF0000">M</span>ich frät als wol ir lieplich grüß | |||
<span style="color:#FF0000">A</span>ls in hunger ain pfann mit müß | |||
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Version vom 1. April 2026, 20:35 Uhr
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Ironischer Frauenpreis (B22) | |
|---|---|
| AutorIn | Anon. |
| Entstehungszeit | Überlieferung ab 1470/71 |
| Entstehungsort | |
| AuftraggeberIn | |
| Überlieferung | München, Bayerische Staatsbibliothek: Cgm 713, 48r-50r Prag, Knihovna Nárondního muzea: Cod. X A 12, 6r-65r |
| Ausgaben | |
| Übersetzungen | |
| Forschung | Klingner, Jacob: Ironischer Frauenpreis; Klingner, Jacob/Lieb, Ludger: Handbuch Minnereden, Band 1, S. 28-30 |
Der Text ist einmal fortlaufend überliefert (Cgm 713), einmal in losgelösten Verspaaren, die über 118 Seiten verteilt am unteren Seitenrand geschrieben sind (Cod. X A 12). Da die Verspaare Preisreden und Spottreden mischen, liegt zumindest bei der Realisation in Cod. X A 12 auch eine Epideiktische Redensammlung vor.
Inhalt
Die Abfolge aus affirmativen und derb‑ironischen Reimpaaren erzeugt eine dialogisch wirkende Form, ohne dass die Paare inhaltlich eng aufeinander bezogen wären. Inhaltlich kreisen sie durchweg um die Geliebte des Sprechers. In den ironischen Partien bilden sich zudem gelegentlich thematische Cluster, wenn mehrere Schmähungen hintereinander auftreten, jeweils durch „positive“ Reimpaare unterbrochen.
(Ausführliche Inhaltsbeschreibung bei Klingner, Jacob/Lieb, Ludger: Handbuch Minnereden, Band 1, S. 29)
Synopse der Überlieferung[1]
| Cgm 713 | Cod. X A 12 | |
| Zu preysen ein bulschafft | ||
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ICH weyß vnd bin des zweyfels on
Das ich den aller trewesten pulen hon
Die allerlibsten auf dieser erdt
Die teuscht mich hewer als ein fert
Ich habe frewd vil vnd lußt
So sie mich sinnckt an ir prußt
Die mir vor aller werlt liep ist
Sie smeckt stetes nach kwe mißt
Das myniglich vnd schon weip
Kan meins hertzen leyt vertreyb
Die ich hab im hertzen holt
Die hat mer lewß dan |
[6r] Meins hertzen fraw vnd schönstes pildt Ist gen mir aller tugent milt [6v] Ir lieb hat mein hertz vmbgeben Als junge hünr ain prüthennen [7r] Mich fräet kainerlay souil Als meines hertzen liebste gespil [7v] Mein hertz das schreyt vnd tobt nach ir Als ain kalb nach seiner müter [8r] Mich trost das sy mir gütes gan Kain schöner weib sach nye kain man [8v] Mich frät als wol ir lieplich grüß Als in hunger ain pfann mit müß |
- ↑ Abkürzungen werden in () aufgelöst; Nachträge werden gekennzeichnet (\von unten/, /von oben\, |von der Seite|); hochgestellte Vokale werden in den Fließtext übernommen; Vereinheitlichung unterschiedlicher s-Formen zu s, Beibehaltung von ß; grundsätzliche Kleinschreibung, Großschreibung nur bei Versmarkierung beibehalten (und ggf. vereinheitlicht); ggf. Einfügen von Zeilenumbrüchen bei Versgrenzen; ӱ → y; ë → e; ẅ → w; v̈ → v.
- ↑ Vgl. Jaghunt vnd ein schwein auch hasen.