Der Text ist einmal fortlaufend überliefert (Cgm 713), einmal in losgelösten Verspaaren, die über 118 Seiten verteilt am unteren Seitenrand geschrieben sind (Cod. X A 12). Da die Verspaare Preisreden und Spottreden mischen, liegt zumindest bei der Realisation in Cod. X A 12 auch eine Epideiktische Redensammlung vor.
Inhalt
Die Abfolge aus affirmativen und derb‑ironischen Reimpaaren erzeugt eine dialogisch wirkende Form, ohne dass die Paare inhaltlich eng aufeinander bezogen wären. Inhaltlich kreisen sie durchweg um die Geliebte des Sprechers. In den ironischen Partien bilden sich zudem gelegentlich thematische Cluster, wenn mehrere Schmähungen hintereinander auftreten, jeweils durch „positive“ Reimpaare unterbrochen.
(Ausführliche Inhaltsbeschreibung bei Klingner, Jacob/Lieb, Ludger: Handbuch Minnereden, Band 1, S. 29)
Synopse der Überlieferung[1]
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Cgm 713
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Cod. X A 12
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Zu preysen ein bulschafft
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ICH weyß vnd bin des zweyfels on
Das ich den aller trewesten pulen hon
Die allerlibsten auf dieser erdt
Die teuscht mich hewer als ein fert
Ich habe frewd vil vnd lußt
So sie mich sinnckt an ir prußt
Die mir vor aller werlt liep ist
Sie smeckt stetes nach kwe mißt
Das myniglich vnd schon weip
Kan meins hertzen leyt vertreyb
Die ich hab im hertzen holt
Die hat mer lewß dan sib silber od(er) golt
Was ich in eren thar beger(e)n
Das thut sie mich gewer(e)n
Der ich ye was vnd noch wil sein
Die ist girig als ein haber swein
Ich bin zu eygen ir gegeben
Vnd wil ir nym(m)er wider streben
Die weyl ich gelt ym pewtel hab
So pin ich ir ein lieber knab
Mich erfrewd ich weyß wol was
Vnd macht mir im hertzen baß
[48v] Sie liebt sich mir zu aller stund
Als bey dem tische ein hungeriger hunt
Mein allerlibstes vnd höchster schatz
Streicht sich zu mir als ein katz
Die schön die lieb die myn(n)iglich
Hat ein groß pubisch gesicht
Meins hertzen frewd vnd schonstes pild
Ist gein mir aller tugent milt
Ir lieb hat mein hertz vmbgeben
Als inige hüner ein brot kreben
Mich erfrewd keynerleie souil
Als meins hertzen liebste gespil
Mein hertz das dobt vnd streitt nach ir
Als ein kalp nach seiner muter schir
Mich troszt das sie mir gutes gan
Kein schons weip gefahe nye ein solche(n) man
Mich erfrewet als sere ir libster grus
Als wen mich hungert ein pfan(n) vol muß
Sie hat das lobe ob allen weyben
Wo man schimpff wil treiben
Sie gibt mir frewd vnd hohen mut
Als semel vnd milch den pawern thut
[49r] Sie ist meines hertzen hochste frewd
Darumb ich in mir selbs wol gewd
Wolte got das ich ir wer so nochen
Das ich sie mocht ins maul geflochen
Ich sing ich sag was ich begin
So ist sie alltzeit yn meinem syn
Ich bedenck ir schon mit allem preyß
Ich spring ich tantz oder ich scheyß
Sie leszt mich meiner trew genyeßen
Vnd thut mich liplich zu ir flieszen
Ir brustlein ragen also sere
Recht sam zwon plattern wassers lere
Sie liebt mir fur alles gut
In die hab ich kein frewd noch mut
Meine(r) lieb zu flewszt der mu(n)dt preit
Recht als ein kwe dreck auff der heyd
Das tröstlich wort das ich ye hort
Ist ia vnd hat mein leyt ermort
Mein liep vnd ich sein uber ein
Als zwen hunt ab einem pein[2]
Den wunsch ob allen weyben
Thu ich der liebsten zu beschreib(e)n
[49v] Mein außerweltes libstes kint
Ich wolt das du werst krümp vnd plint
Mir libt ein mensch fur alle dise werlt
Vnd hab des trewes wider gelt
Der ich mein hertz ergeben hab
Der pin ich ganntz schab ab
Sie ist begabt mit eren vnd zucht
Zcu der ich hab mein zuflucht
Do ich sie am nechsten ansach
Der ritt schut dich sie zu mir sprach
So mich vmbfecht ir freuntlichkeit
Als meiner muter pirn teick
Ir myn(n)iglich(er) roter mundt
Erfrewet mich eins jars wol tausent stund
So die lieb nit anders kan
So zcant sie mich gar liplich an
Wan ich bedenck ir liplich trew
So wirt mir frewd ym hertzen new
Mich erfrewet ir mündlein rot
Recht als ein scheißhauß in grosser not
Mit yderman ist mir wol
Doch frewet mich das mich pillich erfrew(e)n sol
[50r] Ob ich ichts liebs han
Welcher ritt geht dich an
Ich weyß intzunt nit mere
Leiden meyden scheiden thut mir we
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- ↑ Abkürzungen werden in () aufgelöst; Nachträge werden gekennzeichnet (\von unten/, /von oben\, |von der Seite|); hochgestellte Vokale werden in den Fließtext übernommen; Vereinheitlichung unterschiedlicher s-Formen zu s, Beibehaltung von ß; grundsätzliche Kleinschreibung, Großschreibung nur bei Versmarkierung beibehalten (und ggf. vereinheitlicht); ggf. Einfügen von Zeilenumbrüchen bei Versgrenzen; ӱ → y; ë → e; ẅ → w; v̈ → v.
- ↑ Vgl. Jaghunt vnd ein schwein auch hasen.