Die Buhlschaft auf dem Baume A

Aus Brevitas Wiki
Version vom 24. März 2026, 08:02 Uhr von Silvan Wagner (Diskussion | Beiträge) (Textersetzung - „Meier, Jürgen: Die Buhlschaft auf dem Baume A, Sp. 1113-1114“ durch „Meier, Jürgen: Die Buhlschaft auf dem Baume A“)
(Unterschied) ← Nächstältere Version | Aktuelle Version (Unterschied) | Nächstjüngere Version → (Unterschied)
Zur Navigation springen Zur Suche springen

Die Buhlschaft auf dem Baume A; Von einem Plinten; The lover in the tree

AutorIn Anon.
Entstehungszeit Mitte des 15. Jhd.s (Grubmüller, Klaus (Hg.): Novellistik des Mittelalters, S. 1115)
Entstehungsort
AuftraggeberIn
Überlieferung München, BSB: Cgm 713, 57r-63r[1]
Ausgaben Fischer, Hanns (Hg.): Die deutsche Märendichtung des 15. Jahrhunderts, S. 485-492
Grubmüller, Klaus (Hg.): Novellistik des Mittelalters, S. 244-259
Keller, Adelbert (Hg.): Erzählungen aus altdeutschen Handschriften, S. 298-305
Übersetzungen Fischer, Hanns (Hg.): Die schönsten Schwankerzählungen des deutschen Mittelalters, S. 174-178
Grubmüller, Klaus (Hg.): Novellistik des Mittelalters, S. 244-259
Rickard, Peter u.a.: Medieval comic tales, S. 79-81
Spiewok, Wolfgang (Hg.): Altdeutsches Decamerone, S. 708-715
Spiewok, Wolfgang (Hg.): Das Liebespaar auf der Linde, S. 95-101
Forschung Bachorski, Hans-Jürgen: Ehe und Trieb, Gewalt und Besitz, S. 6; Beine, Birgit: Der Wolf in der Kutte, S. 177, 225; Coxon, Sebastian: der spott wirt in wol gevallen, S. 62 f., 65; Coxon, Sebastian: Laughter and Narrative in the Later Middle Ages, S. 90, 144, 182; Dimpel, Friedrich Michael: Kausalität verabschieden; Grubmüller, Klaus: Die Ordnung, der Witz und das Chaos, S. 200; Jahn, Bruno: Die Buhlschaft auf dem Baume A (mhd.) und B (mnd.); Kerth, Sonja: Homo debilis; Meier, Jürgen: Die Buhlschaft auf dem Baume A; Reichlin, Susanne: Ökonomien des Begehrens, Ökonomien des Erzählens, S. 190; Reichlin, Susanne: Zeitperspektiven; Scheuer, Hans Jürgen: Schwankende Formen; Schlechtweg-Jahn, Ralf: Gott erzählen; Schmidt, Siegrid: Die Buhlschaft - ein Weibs-Bild; Slenczka, Alwine: Mittelhochdeutsche Verserzählungen mit Gästen aus Himmel und Hölle, S. 138-159; Wagner, Silvan: Grenzbetrachtungen; Ziegeler, Hans-Joachim: Erzählen im Spätmittelalter, S. 501f.

Inhalt

Promythion

Der Erzähler will etwas Wahres berichten.

Narratio

Ein Blinder hat eine schöne, junge Ehefrau, die er zutiefst liebt. Er fürchtet sich vor potentiellen Liebhabern seiner Frau, weswegen er ihre Beine jede Nacht mit eisernen Fesseln verschließt; jeden Morgen schließt er diese wieder auf. Ihm ist berichtet worden, dass ein Student in der Stadt lebe, der in seine Frau vernarrt sei, weswegen er darauf drängt, aus der Stadt fortzuziehen. Als das Ehepaar unterwegs ist, trifft der Student auf beide mit der Absicht, die Frau zum Ehebruch zu verführen; er steckt ihr einen Brief zu, worin er seinen Plan und seine Gefühle offenbart. Die Frau liest den Brief und erzählt ihrem Mann, dass in der Nähe ein Obstbaum stehe und sie dort etwas davon pflücken wolle. Der Blinde ist skeptisch, begleitet sie jedoch zum Baum, der eigentlich eine Linde ist, und schlägt an die Äste. Der Apfel, der daraufhin runter fällt, ist von dem Studenten geworfen worden, der bereits oben in der Baumkrone sitzt und die Frau erwartet. Die Ehefrau überzeugt ihren Mann, sie müsse noch mehr davon haben und klettert hinauf. Das Misstrauen des Ehemanns besänftigt sie durch den Vorschlag, er könne ja den Stamm umklammern, solange sie oben sei, damit ihr niemand nachsteige. Der Student ist jedoch bereits auf dem Baum und beginnt mit der Frau das Stelldichein; durch ihre Bewegungen fallen die Äpfel aus der Tasche des Studenten hinab, die der Blinde als das vom Baum geschüttelte Obst interpretiert. In diesem Moment kommen Jesus und Petrus an der Szene vorbei. Petrus ist über den Ehebruch entsetzt und verlangt von Jesus ein Wunder, damit der Blinde sehend werde. Jesus gewährt diesen Wunsch - mit dem Hinweis, dass die Frau sich dennoch herausreden werde - und der Blinde wird sehend. Der Ehemann kocht nun vor Wut, doch die Ehefrau weiß ihn mit geschickten Worten zu überzeugen und stellt das Wunder als eine Konsequenz ihres Ehebruchs dar, ja, dem Ehebruch habe sie nur zugestimmt, damit ihr Ehemann nicht mehr blind sei. Der Ehemann fällt auf die Knie, dankt seiner Frau, dem Studenten (den er zudem mit zehn Pfund Pfennig belohnt) und Gott. Petrus, zornig über die Situation, will dem Ehemann die Wahrheit berichten, doch die Ehefrau gibt eine Lüge zum Besten: dieser Mann, Petrus, habe die Heilung verhindern wollen, obwohl sie ein ganzes Jahr lang mit ihm geschlafen habe. Sie fordert ihren Ehemann dazu auf, Petrus zu erstechen. Dieser flieht vor Angst vor dem Blinden zu Jesus und klagt über den Verlauf der Geschichte. Jesus erwidert jedoch, man müsse dem Sünder Vieles verzeihen, schließlich habe er sein Leben dafür gegeben und er nehme sie in Schutz.

Epimythion

Der Erzähler beendet seine Geschichte und bittet Gott um Gnade.

Rezeption

Die Geschichte wird wiedererzählt in Jurchen, Sylvia/Wagner, Silvan (Hg.): Man sol mich hubschen luten lesen, S. 115-122.